Sport
Biathlon: Magdalena Neuner tritt ab – und eine Sportart verschwindet in der Versenkung?
Magdalena Neuner hat zum abgelaufenen Sportjahr 2011 die Wahl zu Deutschlands Sportlerin des Jahres mit deutlichem Abstand vor Andrea Petkovic und Maria-Höfl-Riesch gewonnen. Just drei Wochen nachdem sie am Nikolaustag ihren Rückzug aus dem aktiven Sport zum Ende der laufenden Saison bekannt gegeben hat, mutet diese besondere Ehre der Sportjournalisten wie ein Abschiedsgeschenk für Deutschlands erfolgreichste Biathletin an.
Doch nicht nur die Vertreter der Sportberichterstattung, sondern auch die zahlreichen Fans der Biathlonszene sowie des Wintersports im Allgemeinen werden das frische Auftreten der Garmisch-Partenkirchenerin künftig vermissen. Es stellt sich die Frage, wie der hierzulande äußerst populäre Biathlonsport den Wegfall ihres Fixsterns verkraften wird. Zahlreich sind die Beispiele, in denen Sportarten nach dem Wegfall ihrer Stars in der Versenkung verschwunden sind. Ein prominentes Beispiel bildet das Tennis, das nach dem Ende einer durch die Namen Graf und Becker geprägten Ära lange Zeit gebraucht hat, um wieder größere Beachtung zu erlangen.
Doch wie stellt sich die Situation beim Biathlon dar? Um ein Bild der Stimmungslage zu erlangen, führte promit in Kooperation mit den SID eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage unter 1.205 Deutschen ab 14 Jahren durch. Der künftige Verzicht der deutschen Vorzeigebiathletin wird dabei offenbar von einem umfassenden Verzicht auf der Zuschauerseite begleitet werden. Ein Drittel (32,6%) gibt an, den Biathlonsport nach Neuners Rücktritt weniger intensiv verfolgen zu werden. Die meisten davon werden ihren Konsum jedoch lediglich einschränken, denn einen künftigen Komplettverzicht geben lediglich 4,4% der Befragten an. Rund jeder Fünfte (21,8%) ist sich noch nicht im Klaren über das künftige Interesse. Knapp die Hälfte der Befragten (45,6%) zeigt sich vom Rücktritt unberührt und wird die Kombinationssportart aus den Disziplinen Skilanglauf und Schießen auf dem gleichen Niveau, wie bisher verfolgen. Ein insgesamt etwas positiveres Bild geben die ausdrücklich Biathlon-Interessierten* ab, da dort immerhin 62,0% ihr Interesse in der bisherigen Form wahren, während 22,0% das Biathlongeschehen weniger intensiv verfolgen werden.
Ebenfalls viel diskutiert wurde das frühe Abtreten von Magdalena Neuner im Alter von 25 Jahren. Während aufgrund des jungen Alters teilweise mit Unverständnis auf den angekündigten Abschied reagiert wurde, zeigten viele Sportlerkollegen Verständnis für die Entscheidung angesichts der Probleme, sich nach den vielen Erfolgen immer wieder aufs Neue zu motivieren. Diese geteilte Meinung spiegelt sich auch in der Bevölkerung wieder: Während 30,6% der Befragten den Rücktritt als zu früh erachten, halten 31,1% den Zeitpunkt für günstig. Bei den Biathlon-Interessierten ist die Gruppe derjenigen, die einen späteren Zeitpunkt favorisieren, etwas größer.
Unabhängig von den künftigen Sehgewohnheiten und der Wahl des richtigen Rücktrittszeitpunkts, steht uns allen jedoch noch eine spannende Saison 2011/12 mit einer hochmotivierten Magdalena Neuner bevor.
* Werte 1 und 2 (sehr interessiert & eher interessiert) auf einer vierstufigen Skala des Biathloninteresses
Fußballbundesliga: Dortmund rückt zurück ins zweite Glied und Bayern wird Meister?
Die Weihnachtstage sind vorbei, 2011 ist passé, die Hinrunde ist abgeschlossen, der FC Bayern steht an der Spitze der Fußballbundesliga und im Mai wird die Meisterschale auf dem Münchner Marienplatz überreicht. Oder?
So sehen es jedenfalls Spieler und Verantwortliche des Rekordmeisters, die die letztjährige Meisterschaft der Dortmunder eher auf ihre eigene Schwäche, denn auf die Stärke der Westfalen zurückführen und die verfehlte Meisterschaft als Ausrutscher sehen. „Nochmal schauen wir Dortmund nicht beim Feiern zu“, hat es Bayernstürmer Thomas Müller kürzlich gegenüber der „Bild“-Zeitung auf den Punkt gebracht.
Doch ganz so selbstverständlich ist dies nicht, wenn man sich den Verlauf der Meisterfrage vom Start der aktuellen Bundesligasaison bis hin zur Winterpause anschaut. In den von August bis Dezember durchgeführten Befragungen im Rahmen des sid SportMonitors räumen die jeweils rund 1.200 interviewten Bundesbürger den Münchnern zwar mit Abstand die größten Chancen ein, jedoch liegen die Werte unter denen, die die Borussia aus dem Ruhrgebiet zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres verzeichnen konnte.
Während zum Ende der vergangenen Hinrunde bereits jeder Zweite (50,6%) auf den späteren Meister Borussia Dortmund gesetzt hat, hat sich der Wert in diesem Jahr für den FC Bayern auf 38,3% eingependelt. Wie in Abb. 2 zu sehen ist, spiegelt sich insbesondere der sportliche Saisonverlauf der beiden Vereine in den Meistertipps der Bevölkerung wider: Zum Start der Saison 2011/12 wurde der amtierende Meister mit viel Vertrauen bedacht (36,8%), während gegenüber den Bayern Zurückhaltung geübt wurde (28,0%). Jedoch haben die Talfahrt der Borussen bis auf Rang 11 und die Dominanz der Münchner die Verhältnisse zugunsten der Bayern umgekehrt. Zu den Hochzeiten glaubten 45,1% der Befragten an eine bayrische Meisterschaft. Mit zunehmender Entwicklung der Saison hat sich dann wiederum die etwas abnehmende Dominanz der Münchner und die zurückgekehrte Stärke der Dortmunder gegen Ende der Hinrunde im Antwortverhalten der Deutschen niedergeschlagen. Entsprechend der jüngsten Befragung glauben nun immerhin 15,7% an eine Titelverteidigung der Borussen, während 38,3% auf eine Meisterschaft des Rekordmeisters setzen.
Indessen zeigt sich bei der Frage nach den Absteigern ein deutlicher Trend: Dem Tabellenvorletzten aus Augsburg wird der Klassenerhalt am wenigsten zugetraut. Und auch die Freiburger, die sich im Prinzip seit dem Saisonbeginn im Sinkflug befinden und die rote Laterne tragen, haben sich im Hinblick auf den Abstieg in die „Favoritenrolle“ begeben, wie in Abb. 2.2 zu sehen ist.
Wie es weitergeht, welcher Verein am Ende die Meisterschale sein Eigen nennen darf und wer der bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss, wird sich ab dem 20. Januar zeigen, wenn im Borussia-Park die Rückrunde mit dem Traditionsduell zwischen Mönchengladbach und dem Herbstmeister Bayern München angepfiffen wird.
Skispringen: Reicht es noch für den erhofften deutschen Tagessieg?
Die Vierschanzentournee bildet für viele Skisprungfans den Höhepunkt der Saison. Insbesondere die guten Leistungen von Severin Freund und Richard Freitag, dem zu Saisonbeginn im tschechischen Harrachov sogar der erste Weltcupsieg gelungen ist, ließen das deutsche Team am vergangenen Freitag frohen Mutes zur Tournee antreten.
Auch in der deutschen Bevölkerung hat sich nach der Ära „Schmitt und Hannawald“ langsam wieder Optimismus breit gemacht. Die Chancen auf einen Tagessieg der DSV-Adler bei der laufenden Vierschanzentournee wurden in der jüngsten Befragung des sid SportMonitors recht hoch eingeschätzt: Ein Drittel (33,3%) der 1.205 Befragten zeigt sich hier zuversichtlich und vertraut auf einen deutschen Sieg bei der Tournee.
Nun, nachdem die drei von vier Springen absolviert sind, ist jedoch eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Einzig Severin Freund vermochte mit seinen guten Ergebnissen in Oberstdorf und in Garmisch-Partenkirchen die Erwartungen zu erfüllen. Dort sprangen für ihn ein vierter und ein siebter Platz heraus. Die restlichen Springer um Freitag, Schmitt & Co. befinden sich dagegen nicht im unmittelbaren Kontakt zu Weltspitze, auch wenn Michael Neumayer und Maximilian Mechler zuletzt in Innsbruck die Top 10 erreichten – denn eine Konstanz in den Leistungen ist derzeit bei keinem DSV-Springer so recht auszumachen.
Es bleibt jedoch zu hoffen, dass das Team pünktlich zum heutigen letzen Springen die Kurve kriegt, sodass sich die Hoffnungen der Befragten auf einen deutschen Sieg oder zumindest auf einen Podestplatz nicht gänzlich zerschlagen.